Rede – Stefan Schorlemmer

Sehr geehrter Vorstand, verehrter Aufsichtsrat, liebe Mitglieder,Stefan_Sch_04

Mein Name ist Stefan Schorlemmer, ich besuche die Spiele des FC Schalke seit 1979, bin seit 1996 Mitglied in unserem Verein und besitze seitdem auch eine Stehplatz-Dauerkarte.
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Der 19.12.2012 hat meine Beziehung zum FC Schalke verändert wie selten ein Tag zuvor. An diesem Tag ließen Sie verehrter Vorstand die zukünftige Partnerschaft mit dem Ticketportal Viagogo verkünden, genau 12 Stunden nach dem letzten Heimspiel des Jahres, war dies ein geschickt gewählter Termin.
Sie wussten also genau was Sie taten.
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Da ich mich in meiner Freizeit ein wenig für Fußball interessiere war mir ich bereits klar welchen tollen Partner wir uns da ans Bein gebunden haben und ich war fassungslos.

So ging es im Übrigen vielen Anhängern unseres Vereins, schauen Sie sich einmal die Einträge auf der Facebook-Seite des FC Schalke vom 19.12.2012 und den folgenden Tagen an. Beinahe alles was dort prophezeit wurde ist bisher auch eingetreten.

Es gibt in unserem Verein Menschen die diesen führen, das sind Sie.
Und es gibt Menschen die diesen Verein tragen, das sind wir.
Wir sitzen dort vorne, Sie können uns sehen.
Wären in den vergangenen Jahren nicht nahezu alle Kommunikationswege von uns zu Ihnen gekappt oder durch gleichgeschaltete mehr oder weniger abhängige Funktionsträger ersetzt worden, hätten Sie hören können was wir sagen.
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In meinem Bewusstsein ist fest verankert, dass der gewinnorientierte Weiterverkauf von Eintrittskarten schlicht schäbig ist.
Weil jedoch niemand unfehlbar ist:
Ich habe in meinem Leben, ein einziges Mal eine Eintrittskarte mit Gewinn weitergegeben.
Das war vor 16 Jahren, es hat mein Gewissen so sehr beschäftigt, dass ich dem Käufer dieses Geld bei einem zufälligen Aufeinandertreffen 13 Jahre später, zurückgezahlt habe. Wenn du hier bist David Kluge entschuldige ich mich noch einmal öffentlich bei dir dafür.
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Sie haben kein Personal um den Schwarzmarkt zu bekämpfen?
In diesen Leuten hier vorne liegt so viel Energie, die Sie ansonsten auch für weniger wichtige Dinge gerne ehrenamtlich abrufen. Fragen Sie, wir helfen gerne!
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Ich gestehe Ihnen verehrte Aufsichtsräte zu, dass Sie mit der Fa. Viagogo und Ihre Geschäftspraktiken, durch Ihr persönliches Lebensumfeld vielleicht nicht in vollem Umfang vertraut waren.
Aber, in unserem Aufsichtsrat sitzen sogenannte fannahe Vertreter, bei Ihnen meine Herren hätten sofort die Alarmglocken klingeln müssen. Das Sie nicht gewarnt und aufgeklärt haben ist ein Armutszeugnis ohnegleichen.
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Mir ist bewusst, dass der Verein vor allem auch Geld einnehmen muss um im Wettbewerb bestehen zu können. Aus diesem Grund nehme ich einen Hauptsponsor hin, den man durchaus auch kritisch sehen kann, ich akzeptiere einen Fußpflegepartner bei der Mannschaftsaufstellung und ich ertrage diese unsägliche Böklunder-Fanbox.

Aber, nicht jeder Einnahme-Euro ist ein guter Euro.
Die allgemeine Berichterstattung zum Thema Viagogo ist für den FC Schalke bereits jetzt ein mediales Desaster und es wird noch viel schlimmer werden, nach dem 01.07.
Unter allen mir bekannten Presseberichten – und glauben Sie mir ich kenne die meisten – ist bisher nicht ein einziger der diese Partnerschaft positiv bewertet. Doch? Beweisen Sie mir das Gegenteil.
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Formaljuristisch haben sich alle Verantwortlichen sicherlich an Ihre Vorgaben gehalten und waren vermutlich auch zu allem befugt was Sie vereinbart haben.
In Bezug auf Moral und Anstand haben Sie allerdings versagt, Man kann sich am Rande der juristischen Vorgaben bewegen, aber man kann sich nicht – wenn ich Sie zitieren darf Herr Jobst – an den Grenzen das Leitbilds bewegen, da geht man in der Mitte, alles andere beweist, dass man es nicht achtet.
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Ihre ständig wiederholte Botschaft, es ginge ja nur um die 300 Karten und „der Fan“ müsse ja diese Plattform –die Sie alleine offiziell legitimiert haben – er müsse diese nicht nutzen um seine Karten dort mit Gewinn zu verkaufen und es würde ja ebenso niemand gezwungen dort zu kaufen, ist mit Verlaub gesagt, schlicht „erbärmlich“.
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Kommen wir zum Kern meiner Botschaft:

Ich teile mir mein Büro mit – ich sprech es heute mal aus – Dortmundern und mit Gladbachern (Anhänger des FC Bayern stellen wir in der Regel nicht ein). Zum allerersten Mal fehlen mir in den Diskussionen die Argumente warum der FC Schalke ein toller Verein ist.
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  • Ich schäme mich vor meinen Kollegen in Grund und Boden für diese Partnerschaft mit einer Firma die gegen alles steht was ich am Fußball liebe.
  • Ich schäme mich dafür, dass der FC Schalke die Ansprüche  zukünftiger Sponsoren über die Rechte der eigenen Mitglieder stellt.
  • Ich schäme mich dafür dass diese Rechte er Mitgliedern massiv eingeschränkt werden und nachher vor der Presse schwadroniert wird, dass es wohl nicht gereicht hat die benötigten 10% für eine außerordentliche Mitgliederversammlung zusammen zu bekommen.
  • Für dieses Böklunder-Ding schäme ich mich ebenfalls, aber das sagte ich schon.
  • Und, ich schäme mich dafür, dass zwei Wochen nach einem Gespräch zwischen Viagogo-Gegnern und dem Marketing-Vorstand noch kein Gesprächsprotokoll vorliegt.
    Falls Sie entgegnen, das läge an ViaNOgo, sage ich Ihnen aus meinen persönlichen Erfahrungen der letzten Monate, dass ich Ihnen dies nicht glaube – auch weil ich weiß was hätte drin stehen sollen.

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Das Schöne an meiner Rolle als einfaches Mitglied ist, das ich mir – wie Sie es nennen werden –  „Utopien“ leisten kann.
Daher fordere ich Sie, verehrter Vorstand auf:

  • Entwickeln sie ein Ausstiegsszenario,
  • finden Sie ein geeignetes Gremium um die Vertragsstrafe zu kommunizieren,
  • teilen Sie die ermittelte Summe durch die Anzahl der volljährigen Mitglieder und nennen uns den Betrag,

Ich übernehme meinen Anteil und zusätzlich den Anteil für neun weitere Mitglieder die sich dies finanziell nicht leisten können, ich appelliere zudem an Mitglieder die dies ähnlich sehen es mir gleichzutun.

Weil ich mich so schäme
Danke und Glückauf.

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