Antrag #10 JHV 2013

Bevor ihr diesen Antrag verurteilt,
denkt bitte darüber nach, was wir damit erreichen wollen

Antrag zur Jahreshauptversammlung 2013

zur Änderung der Vereinssatzung des FC Gelsenkirchen-Schalke04 e.V.

in § 2 – Zweck und Aufgabe des Vereins

Zitat: „Der Verein gibt sich durch Beschluss der Mitgliederversammlung ein Leitbild.“

Dieser Satzungsänderung bzw. –Ergänzung war die Idee vorausgegangen, dass der FC
Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V. eine Idee von sich selbst aufzeichnet, eine Urphilosophie, für
die sich alle begeistern können und für die dieser Verein unverwechselbar steht. Es sollte ein
Selbstverständnis entwickelt und festgelegt werden, das zum Verein und seiner Tradition als
Kumpel- und Malocherclub aus dem Ruhrrevier passt.

Zu diesem Zweck wurde eigens eine Leitbildkommission gebildet, bestehend aus zwei
Aufsichtsratmitgliedern, einem Vorstandsmitglied, drei  weiteren Mitarbeitern  des FC
Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V., vier  Vertretern aus den großen  Fanorganisationen und drei
Vertretern aus der nicht organisierten Fanszene.

Am 03.06.2012 wurde anlässlich der Jahreshauptversammlung das Leitbild in seiner
aktuellen Fassung von den Vereinsmitgliedern mit überwältigender Mehrheit genehmigt bzw.
beschlossen. Jedes Vereinsmitglied, das dafür stimmte, glaubte, damit sei die Einzigartigkeit
unseres Vereins gleichermaßen gesichert wie dessen Unverwechselbarkeit.

Die Realität sieht völlig anders aus, wie man unschwer nach nunmehr einem Jahr der
„Gültigkeit“ des Leitbildes erkennen kann.

Zur Begründung zitiere ich hier nochmals den Eingangssatz des § 2 der aktuellen Vereinssatzung:

Zitat: „Der Verein gibt sich durch Beschluss der Mitgliederversammlung ein Leitbild.“

Anstatt das Leitbild in seinem kompletten Wortlaut in die Satzung zu implementieren und
damit verbindlich für alle Vereinsmitglieder sowie Vereinsfunktionäre zu gestalten, ist dort
lediglich die Rede von „einem“ Leitbild, auf das noch nicht einmal zeitlich oder inhaltlich ein
Bezug genommen wird. Dem hätte man entgegenwirken können durch die Formulierung
„Für alle Vereinsmitglieder und Vereinsfunktionäre ist das Leitbild verbindlich, das am
03.06.2012 von der Mitgliederversammlung beschlossen wurde.“

So entsteht der Eindruck, dass das Leitbild seinerseits zwar medienwirksam ins Leben
gerufen wurde und den Vereinsmitgliedern das Gefühl geben sollte, dass die traditionellen
Werte als höchstes Gut unseres Vereins auch seitens Vorstand und Aufsichtsrat geachtet
werden.

Die vergangenen Monate haben jedoch gezeigt, dass die Orientierung am Leitbild lediglich
durch die Vereinsmitglieder erfolgt. Wir Fans lieben und leben unseren Verein, weil er so ist,
wie er ist. Schalke in seiner Vielfalt und Facettenhaftigkeit war immer einmalig und
unterschied sich darin von allen anderen Bundesligavereinen.

Vorstand und Aufsichtsrat wirken seit Monaten dagegen und wollen unseren geliebten
Verein ausschließlich zu einer Marke vermarkten, ohne auf die traditionellen Werte zu achten
und die Seele des Vereins als Kumpel- und Malocherclub zu wahren.

Punkt 4 des Leitbildes

(Der FC Schalke 04 ist als Kumpel- und Malocher-Club entstanden. Daher ermöglicht unser
Verein im Rahmen seiner wirtschaftlichen Verhältnisse seinen Anhängern aus allen
gesellschaftlichen Schichten die Teilnahme am Vereinsleben und den Besuch der Spiele.
Aus unserer Tradition als Bergarbeiterverein heraus bekennen wir uns zu unserer sozialen
Verantwortung. Der Arbeit im Ehrenamt messen wir dabei besondere Bedeutung zu.)

wird missachtet – sowohl durch ständig steigende Kartenpreise wie auch insbesondere
durch den vom Verein angestrebten „Deal“  mit viagogo, einem Unternehmen, das von
zahlreichen anderen Vereinen wegen seiner  „Abzocke“ abgelehnt wird und gegen das
zahlreiche Verfahren anhängig sind.

Weiterhin bedient sich der Verein am Bild des Kumpel- und Malocherclubs, um damit
überteuerte Shopartikel anzubieten, die sich ein wirklicher Kumpel oder Malocher ohnehin
nicht mehr leisten kann. Für die Vereinsmitglieder gilt auch vereinsübergreifend die Aussage
„love the game, hate the business“.

Nein, wir Schalker sind nicht so dumm zu glauben, dass wir uns auf Dauer einer
Kommerzialisierung unseres Vereins verwehren können, jedoch sollte dies immer unter
Achtung unserer wahren Werte geschehen und nicht via Ausverkauf der Schalker Seele.
Auch die Sponsoren wollen Schalke in seiner Unverwechselbarkeit  haben, wenn sie die
„Marke Schalke“ buchen! Unser Ansinnen ist also nicht konträr zu einer wirtschaftlichen
Weiterentwicklung des Clubs.

Punkt 5 des Leitbildes

(Wir begegnen uns in der Schalker Vereinsfamilie mit ihren vielfältigen Strukturen respektvoll
und auf Augenhöhe. Auch bei kritischen Themen sind wir tolerant gegenüber anderen
Meinungen und nehmen Rücksicht auf die Belange der Anderen. Der Dialog zwischen
Vereinsorganen,  Mitgliedern und der vielschichtigen Fan-Szene ist offen und vertrauensvoll.
Die Entscheidungshoheit bleibt bei den dafür in der Satzung genannten Verantwortlichen.)

wird seitens Vorstand und Aufsichtsrat sowie anderer Vereinsfunktionäre ebenfalls ständig
außer Acht gelassen.

Die Begegnung auf Augenhöhe findet seit langer Zeit nicht mehr statt – Anfragen an den
Verein und besonders auch offene Briefe an den Vorstand finden keinerlei Beachtung und
auf Antworten warten wir vergebens. Gegenseitiger Respekt sieht anders aus, ebenso der
Dialog zwischen Vereinsorganen und Vereinsmitgliedern. Toleranz auch oder besonders bei
kritischen Themen wird innerhalb der Fanszene gelebt, nicht aber im Verhältnis
Vereinsfunktionäre zu Mitgliedern des Vereins. Auch hier ist der von den Fans als verwerflich
und extrem nachteilig angesehene „viagogo-deal“ das beste Beispiel, denn die Kritik der
Fans wird weder angehört noch entsteht ein diesbezüglicher Dialog. Im Gegenteil: die Fans,
die ihre Meinung dazu äußern und auch andere Vereinsmitglieder darüber informieren
möchten, werden des Stadions und des Vereinsgeländes verwiesen.

Ohne jetzt auf alle elf Punkte des Leitbild-Pamphlets einzugehen, kann rückblickend
festgestellt werden, dass das Projekt „Leitbild“, das unsere Werte bewahren und gleichzeitig
den Verein auf die Erfordernisse der Zukunft ausrichten sollte, gescheitert ist.

Solange die Inhalte des Leitbildes ausschließlich von den Vereinsmitgliedern wirklich gelebt
werden und als Maxime angesehen werden, nicht aber von den Vereinsfunktionären, ist die
Erwähnung des Leitbildes in unserer Satzung eine leere Hülle und damit überflüssig.

Ein letztes Mal zitiere ich hier den Eingangssatz des § 2 der aktuellen Vereinssatzung:

Zitat: „Der Verein gibt sich durch Beschluss der Mitgliederversammlung ein Leitbild.“

Vielleicht erklärt sich durch die obigen Ausführungen, warum die Inhalte eben dieses
Leitbildes keinen konkreten Eingang in die Satzung gefunden haben.

Aus den vorgenannten Gründen beantrage ich, den ersten Satz des § 2 unserer Satzung zu
streichen.

Bisheriger Wortlaut

§ 2 Zweck und Aufgabe des Vereins

Der Verein gibt sich durch Beschluss der Mitgliederversammlung ein Leitbild. Der Verein
verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der §§ 51-68 der
Abgabenordnung. Er erstrebt die körperliche, geistige und charakterliche Bildung seiner
Mitglieder – vornehmlich der Jugend – durch planmäßige Pflege der Leibesübungen. Er
macht sich zur Aufgabe, Fußball, Basketball, Handball, Leichtathletik und Tischtennis unter
diesem Gesichtspunkt zu fördern, wobei die Belange des Fußballs grundsätzlich vorrangig
sind. Politische und weltanschauliche Zwecke dürfen nicht verfolgt werden. Die
soziale Integration ausländischer Mitbürger soll gefördert werden. […]

Künftiger Wortlaut

§ 2 Zweck und Aufgabe des Vereins

Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der §§
51-68 der Abgabenordnung. Er erstrebt die körperliche, geistige und charakterliche Bildung
seiner Mitglieder – vornehmlich der Jugend – durch planmäßige Pflege der Leibesübungen.
Er macht sich zur Aufgabe, Fußball, Basketball, Handball, Leichtathletik und Tischtennis
unter diesem Gesichtspunkt zu fördern, wobei die Belange des Fußballs grundsätzlich
vorrangig sind. Politische und weltanschauliche Zwecke dürfen nicht verfolgt werden. Die
soziale Integration ausländischer Mitbürger soll gefördert werden. […]

Michael Eckl aus Regensburg

im Namen der kleinen Gruppe 2.0

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