Glückauf und Helau liebe Sups,

bei den meisten von euch dürfte, wenn nicht schon geschehen, spätestens heute die aktuelle Mitgliederausgabe des Vereinsmagazines „Schalker Kreisels“ im Postkasten liegen. Und nicht wenige von euch haben sich, ob der skurrilen Ankündigungen zur diesjährigen „Jahreshauptversammlung“ am 29. Juni (wobei wir immer noch zur Mitgliederversammlung einladen sollten), in den vergangenen 24 Stunden schon schwer gewundert. Da ist von einem „Erlebnistag“ die Rede, einem „Familientag“ mit vielen Höhepunkten, Überraschungen und einer „Musical-Showeinlage“. Wobei, wenn wir ehrlich sind, eigentlich wundert einen mittlerweile ja schon fast gar nichts mehr…

Auf ein Wort
Nein, selbstverständlich kann niemand etwas dagegen haben, dass die Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 ausnahmsweise einmal von mehr als den üblichen 3000 bis 3500 Mitgliedern besucht werden soll. Warum dem im Übrigen so ist, warum sich in den vergangenen zehn Jahren knapp 100.000 Mitglieder dem geilsten Club der Welt angeschlossen haben, ohne sich aktiv am Vereinsgeschehen – sprich dem Besuch der MV – zu beteiligen, ist eine andere Überlegung wert.

Nein, auch der durchschaubare Schachzug, durch höhere Teilnahme die durchaus berechtigten, kritischen Fragen und Themen nicht in den Vordergrund rücken zu lassen, die anstehenden Wahlen und Entlastungen auf eine breitere Basis zu stellen, überrascht niemanden. Das ist legitim, passt vor allem aber auch exakt zum dem, was bereits in den vergangenen Jahren – teils plump und billig inszeniert – passiert ist, das war für dieses Jahr auch nichts anders zu erwarten. Gleichzeitig ist dies aber auch eine riesige Chance, eine breite Masse an Vereinsmitgliedern mit sachlichen und inhaltlichen Redebeiträgen und Argumenten – das kann und darf sich dann gerne auch bis spät in den Abend ziehen – für die entsprechenden Themen zu sensibilisieren, sie zu überzeugen. Nein, das ist soweit alles in Ordnung.

Aus dem obersten Beschlussorgan des Vereins allerdings eine Art bunten Familientag zu machen, mit Musical-Einlagen und was nicht allem, das überschreitet dann doch für viele eine Grenze, wir sind doch kein Karnevalsverein! Eine Mitgliederversammlung ist die wichtigste Zusammenkunft eines jeden Vereines und kein „Event,“ hat mit Kasperletheater oder Kirmes nichts zu tun. Oder sind wir mittlerweile gar nur noch ein Karnevalsverein? Eine Mitgliedschaft, insbesondere das Wahlrecht bei der MV, muss sehr Ernst genommen werden und nicht durch ein buntes Rahmenprogramm zu einem Zirkus verkommen. Oder gibt es demnächst bei uns nur noch „Helau & Alaaf“ anstatt „Glückauf“?

Schalke, wir leben Dich? Nein, Schalke, wir schämen uns!

Was folgt denn noch an weiteren „Überraschungen“? Dieter Bohlen als Versammlungsleiter? Eine große Choreo mit ausgelassener Pyroschow der 04 vordersten Reihen? Hüpfburg und Kinderschminken? Eine Aufteilung des Wahlrechts zwischen Mann und Frau? Werden die Kandidaten Jobst, Peters und Tönnies zum Recall eingeladen? Ist eine Kostümierung ausdrücklich erwünscht? Wird der russische Präsident W. Putin bei den letzten Akkorden von „We will Rock you“ (vom Aufsichtsrat getrommelt) aus der Musical-Torte springen und uns als neues Ehrenmitglied präsentiert? Ein Viagogo-Stand, bei dem alle gerade erst erworbenen Tickets sofort mit 100% Aufschlag weiterveräußert werden können? Wundert es eigentlich irgendjemanden noch, warum Schalke 04 tief in den roten Zahlen steht, wenn man mit einer solchen „Ernsthaftigkeit“ seine Aufgaben angeht? Eigentlich bleibt nur eine Schlussfolgerung zu ziehen: SIE verstehen Schalke nicht!

Schalke war für die Menschen schon immer mehr als nur ein Club, Schalke ist ein fester Bestandteil ihres Lebens, ihrer Seele, ihrer Identität. Man sucht sich Schalke nicht aus wie einen Pudding an der Kühltheke, sondern Schalke sucht sich einen aus. Du hast da keine Chance, Du hast es Dir nicht ausgesucht, aber doch ist es ein Teil von Dir, sowie Deine Mutter und Dein Vater ebenfalls ein Teil von Dir sind. „Schalker wird man nicht, Schalker ist man“ hat Charly Neumann einst gesagt, doch wer von unseren Verantwortlichen kennt dieses Gefühl überhaupt noch? Wir schimpfen uns „Kumpel- und Malocherclub“, lässt dazu keine Gelegenheit aus, Hochglanzprospekte und Werbebroschüren werden damit zugepflastert. Die Menschen allerdings, die Kumpel und Malocher, Eure Großeltern und Urgroßeltern, diejenigen die diesen Verein einst gründeten, ihm eine Seele, ihm einen Sinn gaben, einen Verein schufen, der Generationen von Menschen hier Stolz und Selbstwertgefühl gegeben hat, Generationen von Menschen zusammenwachsen ließ, sie würden sich bei Ankündigung einer solchen Veranstaltung schämen. Szepan und Kuzorra würden sich schämen. „Was habt ihr nur aus unserem Verein gemacht“ würden sie fragen? Mit solchen Zirkusveranstaltungen verhöhnen wir unsere Vorfahren und spucken ihnen dabei gleichzeitig auch noch ins Gesicht!

Schalke ist kein Event, Schalke ist nicht Kirmes, Zirkus oder Karneval, kein Phantasialand oder Traumlandpark. Das ist es mittlerweile an den Spieltagen, damit kommen wir klar – aber Schalke ist in seinem Kern mehr als Fußball. Schalke hat Generationen von Menschen geprägt, ihnen Hoffnung und Lebensfreude geschenkt, das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein gesteigert – damit macht man ab einem gewissen Punkt keinen Spaß mehr! Wer das nicht versteht, wer das nicht verstanden hat, wer aus dem Erbe unserer Vorfahren, wer aus dem wichtigsten Vereinsorgan eine unwürdige Veranstaltung mit Kirmescharakter macht, der lebt Schalke nicht und der hat Schalke auch nicht verstanden!

Vereinsfamilie am 29.06.2013 – JA
Familientag am 29.06.2013 – NEIN

Wir empfehlen an dieser Stelle dazu noch die „ATTACKE“ unserer Freunde von der Schalker Fan-Initiative (Schalker gegen Rassismus): http://schalke-unser.de/?p=960

Supporters Club e.V. / http://www.supportersclub.de

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