„viagogo“ – Bundesligavereine müssen nachsitzen

Wie weit darf sich die Vereinsspitze von der Basis entfernen?

Wer den Namen Schalke hört und diesem Verein positiv gegenüber steht, denkt im ersten Augenblick an königsblaue Trikots, generationenübergreifende Begeisterung, jede Menge Tradition und eine manchmal auch (un-)gesunde Portion Kummer und Schmerz.

So ist Fußball eben und im Westen, vor allem im „Pott“, ganz besonders. Fußball beginnt auf dem Aschenplatz nebenan und ist in der Fankurve auf Schalke erst richtig auf dem Höhepunkt.

Dass die Zeiten sich ändern, ist eine Feststellung, die keine Katze hinter dem Ofen hervorlockt, sondern bestenfalls 3 Euro ins Phrasenschwein entführt.

So wundert es auch niemanden, dass heute die Fäden auf Schalke von Männern gezogen werden, die in der Regel eine kaufmännische Denke an den Tag legen, die sie spätestens mit der Studienmuttermilch eingesogen haben.

Im Endeffekt ist das auch gut und richtig so, weil unser Verein in einem harten Wettbewerb bestehen muss, der sich von Tag zu Tag eher verschärft als milder zu werden.

Aus diesem Grund müssen die Fans von heute schon einige Kröten schlucken: ungeliebte Sponsoren, deren Geschäftsgebaren bei genauerer Betrachtung eine Gänsehaut provoziert, Stadionnamen, deren Aussprache bis zur einseitigen Gaumen- und Lachmuskellähmung führen kann, Trikotfarben, die an seltsame Umzüge auf den Straßen der Nation erinnern sowie ohrenbetäubende Halbzeitpausenbeschallung mit dumpfbackiger Werbung, die zur zeitweisen Flucht aus dem Block nötigt.

An all das hat der „moderne Fan“ sich inzwischen gewöhnt oder gewöhnen müssen. Aber für alles gibt es eine Grenze, bei deren Überschreiten ein oftmals kleiner Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt.

Seit einigen Wochen wird jetzt auch das andere Gesicht des Vereins sichtbar. So viel sei vorweg erwähnt: es ist eine hässliche und undemokratische Fratze.

Finanzvorstand Peters stellt sich vor die Mitglieder des Kartenausschusses und hat die Frechheit festzustellen, dass Schalke keine Demokratie sei.

AUS FRECHHEIT WIRD ANGST

Aus der Frechheit wurde jedoch schon bald die pure Machterhaltungspolitik gepaart mit der blanken Angst. Angst vor des Volkes Seele, vor der Meinung der Fans und den „Unruhen“ an der Basis. Dabei findet dort unten keine Revolution statt, sondern nur eine Meinungsäußerung.

Wer aber seine Meinung äußert, kann auch widersprechen. Daran ist die Vereinsführung jedoch nicht mehr gewohnt. Ihre Entscheidungen trifft sie ganz weit weg von der Basis. Die ehemalige Fanvertretung, der SFCV, ist inzwischen „eingemeindet“. Eine Reihe von führenden Köpfen des SFCV steht beim S04 in Lohn und Brot. Konstruktiver Widerspruch ist da nicht mehr zu erwarten.

Deswegen tut sich die Vereinsspitze so schwer damit andere Meinungen zu akzeptieren. Informationsveranstaltungen der „viaNOgo“-Aktivisten vor den Heimspielen wurden auf dem Vereinsgelände in Bausch und Bogen verboten. Auch außerhalb dieses Gebiets versuchte der Ordnungsdienst die Aktivisten einzuschüchtern. Aber diese zeigten und zeigen sich so unerschrocken wie die Königsblaue Profi-Elf in Mainz, Istanbul und Wolfsburg, die immer wiederkam.

Apropos Mainz: Die Rheinhessen hatten nichts dagegen, dass „viaNOgo“ vor dem Spiel am Bruchweg Infos verteilten und Unterschriften für eine außerordentliche Mitgliederversammlung sammelten.

In Wolfsburg ließ der S04 hingegen die Beziehungen spielen, schließlich ist der VW-Club auch im „viagogo“-Boot an Bord. Eine Infoaktion der königsblauen Fans wurde kurzerhand verboten, obwohl ursprünglich eine Zusage bereits vorlag. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

DIE VEREINSOBEREN ZIEHEN ALLEN ÜBLEN REGISTER

Die Repressalien der Vereinsführung, die sich dabei unter anderem der Infrastruktur und der Connections des SFCV bedient, decken die gesamte Bandbreite der Desinformation und des Grabenkampfes ab.

Die Aktion „viaNOgo“ reagiert gelassen auf die ständigen Provokationen und die vielen Hindernisse, die wie aus Zauberhand entstehen und in den Weg gestellt werden.

Ganz offensichtlich wollen die Mannen um Peters und andere Vorstände, die Fanaktivitäten in die Illegalität drücken. „viaNOgo“ hingegen will nur, dass der Verein sich an seine selbst gesetzten Maßstäbe hält (Stichwort: Leitbild).

„ViaNOgo“ ist keine Versammlung von Sozialromantikern, die mit Henkelmann und Knifte ins Stadion wollen und auf das Ausspielen der Gaumeisterschaft warten.
Die Organisation kennt und erkennt die ( finanziellen) Sachzwänge eines Bundesligaspitzenclubs. Man sperrt sich auch definitiv nicht gegen sinnvolle Partnerschaften und positives Sponsorentum.

Wenn aber eine dubiose Firma aus Großbritannien für ein Trinkgeld elementare Vereinsprinzipien durch den Schmutz ziehen darf, muss Einhalt geboten werden.

Warum möchte der FC Schalke „viagogo“ eine Platzform bieten, um dessen katastrophales Image zu reparieren?
Entweder es geht um viel mehr Geld als heute vom Verein zugegeben wird oder die Vereinsspitze ist sich nicht darüber bewusst, welche Werte die eigenen Fans wirklich umtreiben.
Beide Möglichkeiten werfen ein Schlechtes Licht auf Tönnies & Co.:

Entweder man spricht gegenüber den eigenen Fans mit gespaltener Zunge – was schon im Western oft zu einem üblen Ende geführt hat – oder man will nicht mehr wahrhaben, was die Basis will.

Eines muss die Vereinsspitze dieser Tage jedenfalls lernen: Die Fans sind der Verein, nicht die Büroinhaber im Schalker Feld.

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