Pressemitteilung – Es kann nicht sein, was nicht sein darf

Pressemitteilung

Gelsenkirchen, 27.02.2013

Einer der drei größten Vereine der Bundesliga hat Angst vor seiner Fanbasis

Es kann nicht sein, was nicht sein darf!

Die englische Ticketbörse „viagogo“ versucht sich in der Fußball-Bundesliga als DIE Spezialistin für Eintrittskarten zu positionieren. Unterstützung findet sie bei rund zehn Bundesligisten, die einen Vertrag mit den Ticket-Haien abgeschlossen haben. Aber die Fans spielen nicht mit.

Warum die Clubs in der Republik die Legalisierung eines der größten Schwarzmarkthändlers unterstützen, ist eine Frage, die die Antwort bereits in sich birgt: Es geht um Geld und das wussten bereits die alten Römer: Es riecht bekanntlich nicht.

Aber die Clubs haben sich getäuscht. Der Deal mit „viagogo“ stinkt einer immer größer werdenden Anzahl von Fans ganz massiv. Nehmen wir als Beispiel den FC Schalke 04. Ein Club, der seinen Mythos, seine Tradition und seine soziale Ausrichtung wie eine Monstranz vor sich herträgt. Was er aber momentan tut, widerspricht all diesen Ideen, die erst jüngst im sogenannten „Leitbild“ des Clubs fixiert wurden.

Die Fans – das unbekannte Wesen

Der Verein wundert sich, wie ernst es den eigenen Fans mit diesen Ideen und Prinzipien ist. Wie sonst soll man die fast angsterfüllten Reaktionen der Vereinsoberen auf die Bewegung bewerten, die sich an der Basis breit gemacht hat?

Lässt man beispielsweise die Ereignisse des Wochenendes Revue passieren, kommt man nicht umhin festzustellen, dass der Verein nicht davor zurückschreckt, den großen Hammer auszupacken:

Die Verteilung von Flyern vor dem Heimspiel gegen die Fortuna wurde von der Polizei und dem Ordnungsdienst massiv behindert – auch außerhalb des Vereinsgeländes, wobei sogar zu unfairen
Drohungen mit Stadionverboten und Strafanzeigen gegriffen wurde. Der Fanclubverband arbeitet ebenfalls gegen die Sammlung der Unterschriften; den Aktivisten werden die Adressen der einzelnen Fanclubs mit fadenscheinigen Gründen vorenthalten. Die Krönung des Ganzen war zu guter Letzt die Schließung des Fantreffs am Hauptbahnhof, wo Unterschriften gesammelt werden sollten – weil die Grippewelle grassierte, versteht sich. Zudem stellte sich heraus, dass aufgrund der massiven Behinderung des Informationsflusses durch den SFCV viele insb. nicht im Internet aktive Schalker noch überhaupt keine Kenntnis von der Aktion hatten aber nur wer informiert ist, kann selbst entscheiden, ob er seine Mitgliedsrechte nutzen will!

Im Anschluss an ein Treffen des sogenannten „Kartenausschusses“ lief das Fass über. Dieser Ausschuss, ursprünglich gedacht als Dialogrunde zwischen Verein und Fans, ist inzwischen zu einem Gremium verkommen, in dem Entscheidungen gnädig kommuniziert werden. Hatten bereits die massiven Preiserhöhungen (bis zu 70 % in rund zehn Jahren) für Missstimmung gesorgt, war die Verkündung des „viagogo“-Deals definitiv zu viel – der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Seitdem hat sich eine Gruppe von Fans herauskristallisiert, die diesen „Pakt mit dem Teufel“ auf keinen Fall akzeptieren wollen. Ihr Plan: Eine Unterschriftensammlung, mit der eine außerordentliche Mitgliederversammlung erzwungen werden soll. Laut Satzung müssen 10 % der volljährigen Mitglieder (in der Summe rund 80.000 bis 85.000) – also knapp 8.500 – ihre Zustimmung für die Einberufung einer Versammlung gesammelt werden.

Also hat die Gruppe, die im Internet unter dem eingängigen Kürzel „viaNOgo“ firmiert (vgl. die Homepage http://www.vianogo.de) damit begonnen, die notwendige Anzahl an Mitgliedern von dem Ansinnen zu überzeugen. In Gesprächsrunden, im Social Media (v. a. Facebook) und in Internet-Gesprächsforen wurde die Aktion auf die Reise gebracht.

Am meisten überrascht bisher nicht der große Zuspruch, den „viaNOgo“ erfährt. Die Fankurven in der Schalker Arena sind beispielsweise übervoll mit Plakaten, Spruchbändern und anderen Formen des klaren Widerspruchs zum Vorgehen der Vereinsführung.

Besonders ins Auge sticht die Art und Weise der Reaktionen des Vereinsoberen.

Die Vereinsführung zieht alle Register, um den Protest klein zu halten

Am vergangenen Samstag waren die Aktivisten von „viaNOgo“ im Vorfeld des Heimspiels gegen die Düsseldorfer Fortuna rund um die heimische Arena unterwegs. Das „rund um“ musste man ganz wörtlich nehmen. Die Vereinsführung hatte im Vorfeld des Samstagspiels, die Unterschriftenaktion, die „viaNOgo“ regelgerecht und mit genügend Vorlauf angemeldet hatte, in Bausch und Bogen verboten. Begründung: Der Verein FC Schalke 04 werde „im Sinne einer guten Partnerschaft keine Aktion unterstützen, die sich gegen unsere aktuellen und künftigen Partner richtet“.

Eigenartigerweise hat der Verein FC Schalke 04 diese Hemmungen nicht, wenn er sich gegen langjährige Mitglieder richtet, die ein satzungsmäßiges Recht wahrnehmen wollen. Es sagt eine ganze Menge über die Wertigkeiten der Mitglieder in den Augen der Vereinsführung aus, wenn selbst zukünftige Sponsoren, deren Tätigkeit nach den derzeitigen AGB noch rechtswidrig sind, mehr Rechte genießen…

Es wurde den „viaNOgo“-Akteuren schlicht und einfach nicht erlaubt, das Vereinsgelände zu betreten. Das besondere Geschmäckle dieser Entscheidung wird besonders dann deutlich, wenn man betrachtet, dass in der Vorwoche beim Auswärtsspiel in Mainz der Heimatverein nichts gegen die Unterschriftenaktion von „viaNogo“ hatte.

Sollte sich der große FC Schalke tatsächlich vor der Meinung des Volkes fürchten? Die Antwort ist ein klares „Ja!“. Wie sonst soll man die Tatsache bewerten, dass der inzwischen eingemeindete Schalker Fan-Club Verband (SFCV) in puncto „viagogo“ auf peinliche Weise herumeiert und keine klare Stellung zu dem Thema bezieht.

Diese Haltung droht dem Fanclubverband, von den dazu gehörenden Fanclubs als „der kleinste gemeinsame Nenner aller Fanclubs“ betrachtet, tatsächlich das Genick zu brechen. Die „Ultras Gelsenkirchen“ traten bereits Anfang Februar aus dem SFCV aus. Sollte in den kommenden drei – vier Monaten allerdings keinerlei gravierende Kurskorrektur erkennbar sein, so wird – wie schon die UGE – auch der SC das gemeinsame Haus in diesem Sommer absehbar verlassen.

Was als Aufstand gegen einen unverständlichen Vertrag mit einer schlecht beleumundeten Ticketplattform begann, hat sich inzwischen zu einer Fundamentalkritik am Vorgehen der Vereinsspitze entwickelt. Und die Fans des FC Schalke 04 sind nicht allein mit dieser Aktion. Auch in Stuttgart und in Hamburg hat der Kampf gegen „viagogo“ hohe Wellen geschlagen. Im Norden kündigte der HSV nach einer heißen Mitgliederversammlung auf Druck der Basis den Vertrag mit „viagogo“. Der FC Bayern hat bereits beschlossen, den Vertrag am Ende der laufenden Saison zu stoppen.

Zu guter Letzt muss man im Auge behalten, dass die Dimension des Vertrags mit „viagogo“, auf Schalke spricht man von 1,2 Millionen pro Saison, in keinem Verhältnis zu den Reaktionen steht, die ausgelöst wurden. Nicht wenige stellen sich die Frage, warum ein Verein wie der FC Schalke für ein Trinkgeld seine Identität verkauft.

Zusammen gegen viaNOgo

Michael Eckl & Frank Zellin
Tel.: 0941 / 26095651
E-Mail: info@eckl-gmbh.de & frank-zellin@gmx.de

Abdruck erwünscht
Belegexemplar ebenso

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