Neuer Teufel auf Schalke

(von Manfred Breuckmann)

Auf Schalke hat der Teufel einen neuen Namen: Früher hieß er mal „Magath“, jetzt kommt er unter dem modischen Kürzel „Viagogo“ daher. Dahinter verbirgt sich ein britisches Internet-Ticket-Portal, das ab Juli offizieller „Partner“ des FC Schalke 04 ist. Für 1,2 Millionen Euro pro Jahr unternimmt Viagogo einen weiteren Versuch, in der Bundesliga Fuß zu fassen. Schalke 04 überlässt dem Karten-Dealer je 300 Tickets der besseren Kategorie für Spiele, die mutmaßlich nicht ausverkauft sein werden. Und Schalke-Fans mit Karten-Überversorgung sollen über Viagogo verkaufen.

Bislang geschah das unter anderem bei der vereinseigenen Ticketbörse, und es galt der Schalker AGB-Grundsatz, dass die Eintrittskarten nicht „zu einem höheren als dem Verkaufspreis“ veräußert werden durften. Das ist Schnee von gestern, denn bei Viagogo dürfen bis zu hundert Prozent draufgeschlagen werden. Die Verantwortlichen verweisen auf die Deckelung der Schwarzmarktpreise, viele Fans finden, dass damit die Abzocke legalisiert wird.

„Der Kumpel zockt den Malocher nicht ab!“ mahnt die Initiative ViaNOgo und fordert eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu dem Thema. Abgesehen davon, dass Schalke schon Leibhaftige in vielerlei Gestalt überlebt hat: Es wäre schon eine abstruse Idee, verdoppelte Kartenpreise offiziell abzusegnen und das als Schlag gegen den Schwarzmarkt zu verkaufen. Der wird sich dann eben gierig andere Wege bahnen.

Schalkes Peter Peters schiebt erst gar keine hehren Motive vor: „Wenn wir diesen Zweitmarkt nicht verhindern können, wollen wir wenigstens daran verdienen“, sagt er. Womit wir bei Bertolt Brecht wären. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, heißt es in der Dreigroschenoper. Brecht hat schon 1928 das einzig gültige Gesetz im Profi-Fußball Anno 2013 formuliert.

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