Pressemitteilung: Der Pakt mit dem Teufel – Der FC Schalke 04 droht seine Identität für ein Trinkgeld zu verkaufen

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Essen, 13.02.2013

Der FC Schalke 04 droht seine Identität für ein Trinkgeld zu verkaufen

Der Pakt mit dem Teufel

Rund um den FC Schalke 04 ist in diesen Tagen viel Unruhe zu spüren. Dabei geht es nicht nur um die bestürzende sportliche Entwicklung, die der ehemalige Tabellenzweite seit Anfang November mitmacht. Vielmehr erregt ein Deal des Gelsenkirchener Traditionsclubs mit der englischen Ticketplattform „viagogo“ die Gemüter von immer mehr Vereinsmitgliedern.

Wenn sich heute zwei oder mehr Schalke Fans über ihren Verein unterhalten, egal ob im Internet, per Telefon oder Aug‘ in Aug‘, ist es nicht ganz einfach festzustellen, was den Anhängern des Gelsenkirchener Clubs mehr an die Nieren geht: Der sportliche Niedergang in längst vergessene Tabellengebiete oder das Geschäftsgebaren des Vorstandes und des Aufsichtsrats im Zusammenhang mit der Ticketplattform „viagogo“.

Der Verein hat gegen Ende 2012 einen Dreijahresvertrag mit eben jenem Ticketanbieter „viagogo“ abgeschlossen, der laut Aussage der Verantwortlichen pro Jahr 1,2 Millionen Euro einbringt. Kenner sprechen bei dieser Dimension despektierlich von einer Portokassen-Dimension bzw. von „Peanuts“ – der ehemalige Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper lässt grüßen. Andererseits hat aber genau dieses Vorgehen der Vereinsoberen bereits Tausende von Mitglieder verärgert und geradezu beleidigt. Die Spitze des Vereins zeigt sich desinteressiert gegenüber den massiven Protesten, die von der Basis mit Vehemenz vorgetragen werden. Was genau steckt hinter dem Vertrag mit „viagogo“? Faktisch legalisiert Schalke durch die Zusammenarbeit mit den Engländern zumindest einen Teil des Schwarzmarkts, den der Verein lange bekämpft hat und zwar unter der Ausnutzung des vollständigen juristischen Instrumentariums. All das, um eine schnelle Mark bzw. einen schnellen Euro zu machen.

Was aber noch mehr negative Reaktionen erzeugt, ist die Tatsache, dass der Verein mit diesem Vertrag den eigenen Leitbildern, die erst im Vorjahr formuliert und zum Tabernakel des Vereins erklärt wurden, vollständig zuwider handelt.

Die Haltung der Vereinsspitze springt zwischen absoluter Arroganz und der wachsenden Gewissheit, die Schraube überdreht zu haben, hin und her. Denn die Reaktionen sind massiv. Viele Hundert Schalker Vereinsmitglieder haben bereits einer Unterschriftensammlung zugestimmt, bzw. haben diese unterzeichnet, um eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen und diesen Punkt zur Abstimmung zu bringen. Vergleiche in diesem Zusammenhang die eigens dafür geschaffene Webpage: www.vianogo.de.

Eine besondere Qualität erhält dieser Vorgang durch die Tatsache, dass beim Hamburger SV ein mehr oder weniger gleichlautender Vertrag aufgrund massiver Proteste der Fans gekündigt wurde. Auch der VfB Stuttgart befindet sich in der gleichen Sache im Clinch mit vielen eigenen Fans. Der
FC Bayern München hat von vornherein beschlossen, die Finger von diesem heißen und verletzungsträchtigen Eisen zu lassen. Im Gegensatz dazu glaubt man in der Gelsenkirchener Vereinszentrale, noch über einen besonderen Schutzhandschuh zu verfügen. Wenn man sich da mal nicht täuscht.

Der Hintergrund dieser „Vertragsoffensive“ einer Reihe von Bundesligavereine mit „viagogo“, Insider munkeln, zehn Clubs aus der Ersten Liga seien betroffen, könnte dadurch begründet sein, dass die Auslastung der V.I.P.-Lounges in allen deutschen Stadien deutlich wegzubrechen droht.

Denn in ganz Deutschland muss sich die Mehrzahl der Unternehmen den strenger werdenden Compliance-Vorschriften unterwerfen. Sich „mal eben“ zu einem Ligaspiel bei Schnittchen und Schampus einladen zu lassen, wird immer schwieriger. Den Vereinen drohen aus diesem Grund gewaltige Einnahmequellen zu versiegen.

Ist man deswegen bereit, einen Pakt mit dem Teufel einzugehen?

(524 Worte)

Zusammen gegen viaNOgo

Pressesprecher: Marino Castiglione

Abdruck erwünscht
Belegexemplar ebenso

Tel.: 0172 / 216 1979
E-Mail: trainermarino@web.de

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